Bundesverband der Maschinenringe e.V.

Wir brauchen weltweite Regeln

Datum: Dienstag, 17. Juni 2008

 

„Wenn wir so weiter machen, steuern wir auf einen Kollaps der Ökosphäre schon im Jahr 2050 zu“, warnte Prof. Dr. Dr. Radermacher in seinem Vortrag bei der Jubiläumstagung der Maschinenringe am vergangenen Freitag. Einziger Ausweg seien weltweit verbindliche Regeln verbunden mit technischen Innovationen für einen effizienteren Ressourceneinsatz.

 

 

Prof. Dr. Dr. Radermacher führte die Tagungsgäste in das Jahr 2050 und wagte eine Prognose der Welt von morgen. Der Mathematiker und Wirtschaftswissenschaftler setzte sich für eine gerechtere Gestaltung der globalisierten Welt ein und plädierte für eine weltweite ökosoziale Marktwirtschaft. Man könne allerdings erst wissen wie die Welt von morgen sein werde, wenn es so weit sei, schränkte er seine Prognose einleitend ein. Allerdings handele er selbst nach einem Grundsatz von Albert Einstein: "Mehr als die Vergangenheit interessiert mich die Zukunft, denn in ihr gedenke ich zu leben."
 
Ressourcen effizienter nutzen
Der Hochschullehrer sagte einen Kollaps der Ökospäre im Jahr 2050 voraus, wenn der Ressourcenverbrauch im derzeitigen Tempo weiter ansteige. „Wir müssen mit dem fünf- bis zehnfachen des heutigen Verbrauchs rechnen, wenn der Lebensstandard in den Schwellenländern, besonders in China und Indien, wie bisher ansteigt.“ Vor dem Hintergrund der schnellsten Bevölkerungsexplosion in der Menschheitsgeschichte beschrieb das Mitglied des „Club of Rome“ ein Grundproblem des technischen Fortschritts: „Wenn unsere Ingenieure ein Problem mit einer technischen Innovation gelöst haben, haben sie dadurch fast immer ein neues, noch größeres Problem geschaffen. Mit jeder weiteren technischen Innovation siegen wir uns quasi zu Tode.“ Die Forschung müsse deshalb massiv in Verfahren zur effizienteren Nutzung von Energie und Rohstoffen und zur Schonung unserer natürlichen Lebensgrundlagen umgeleitet werden.
 
„Aber wem gehört das Klima?“
Unsere Welt ist nach dem Eigentumsprinzip organisiert. Jeder ist für sein Eigentum verantwortlich. Das eigentliche Problem unseres Klimas sei, dass es niemandem gehöre, erklärte Radermacher und hob die besondere Verantwortung der Industriestaaten hervor. Durch Technologie-Transfer, Querfinanzierungen und den Aufbau von Bildungssystemen in den Entwicklungs- und Schwellenländern könne man den rasanten Anstieg des klimaschädlichen Ressourcenverbrauchs entscheidend bremsen.
 
Wer kennt die UN-Milleniumserklärung?
„Zurzeit steuern wir auf eine „brasilianisierte“ Welt zu, in der weniger als 5 % der Weltbevölkerung die lebenswichtigen Ressourcen kontrollieren werden“, warnte Radermacher. Nur durch die Umsetzung weltweiter, gemeinsamer Standards unterstützt von einer Querfinanzierung zwischen Arm und Reich sei diese Entwicklung noch aufzuhalten. Er unterstütze deshalb alle Bestrebungen der Bildung von Staatengemeinschaften mit gemeinsamen Regeln und hob die Bedeutung der EU für Europa hervor.
Mit der so genannten Milleniumserklärung der Vereinten Nationen habe die Weltgemeinschaft einen ersten wichtigen Schritt getan, der leider breiten Schichten der Bevölkerung gänzlich unbekannt sei. 189 Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen, darunter auch Deutschland, verabschiedeten im September 2000 die Erklärung, die die Herausforderungen für die Weltgemeinschaft für das neue Jahrtausend in vier Handlungsfelder zusammenfasst:
1. Frieden, Sicherheit und Abrüstung
2. Entwicklung und Armutsbekämpfung
3. Schutz der gemeinsamen Natur und Umwelt
4. Menschenrechte, Demokratie und gute Regierungsführung.
Zur Umsetzung der Millenniumserklärung wurde eine Liste mit Entwicklungszielen erarbeitet. Das Hauptziel ist die Halbierung der weltweiten Armut bis zum Jahr 2015.

 

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