Bundesverband der Maschinenringe e.V.

Wie man durch überbetriebliche Nutzung eines Wechselpritschensystems auf eine Jahresauslastung des Trägerfahrzeugs von bis zu 1200 Stunden kommt, zeigen die Maschinenringe Mittelholstein und Wagrien.
Universalstreuer, Häckselwagen und Überladewagen sind nur wenige Wochen im Jahr im Einsatz und stehen den Rest des Jahres oft ungenutzt in den Maschinenhallen. Die geringe Auslastung treibt die Maschinenkosten unnötig in die Höhe. Auch durch intensive überbetriebliche Zusammenarbeit kann die Auslastung der saisongebundenen Technik nur begrenzt gesteigert werden. Das Team des MR Mittelholstein um Geschäftsführer Thomas Harbeck wollte sich damit jedoch nicht zufrieden geben. Eine Lösung bot schließlich ein Wechselpritschensystem in Kombination mit geschickter überbetrieblicher Zusammenarbeit zwischen Milchvieh- und Ackerbaubetrieben in verschiedenen Bodenregionen. Aus diesem Lösungsansatz entwickelte sich eine Zusammenarbeit mit dem Maschinenring Wagrien, dessen Mitglieder überwiegend Ackerbaubetriebe im Ostholsteinischen Hügelland sind.
Mitglieder investieren, der Maschinenring sorgt für die Auslastung
Hans-Jürgen Kock aus Lohmühle hat auf Anregung des MR Mittelholstein ein Wechselpritschensystem mit drei verschiedenen Aufbauten angeschafft. Der Lohnbetrieb arbeitet eng mit dem Maschinenring zusammen und hatte bereits gute Erfahrungen mit den Wechselaufbauten gesammelt. Nicht zuletzt der schnelle und einfache Wechsel der Aufbauten hat Hans-Jürgen Kock von dem System der Fa. Hawe überzeugt. In der Regel reicht eine halbe Stunde für die Montage eines anderen Aufbaus auf die Trägerpritsche. Innerhalb kürzester Zeit wird aus einem Universalstreuer ein Silagewagen oder ein Überladewagen, weil alle Antriebselemente an den entsprechenden Aufbauten verbleiben.
Der Maschinenring handelt auch bei dieser Technik-Investition nach einem Grundsatz der Maschinenring-Arbeit: nicht der MR kauft die Technik, sondern er schlägt seinen Mitgliedern – ob Landwirt oder Lohnunternehmer – eine sinnvolle Investition vor. Durch die Vermittlungsleistung des Rings kann die Auslastung der Technik dann gesichert werden.
Deutlich geringere Investitionskosten
Nicht nur die erheblich höhere Jahresauslastung des Trägerfahrzeugs, sondern auch die deutlich geringeren Investitionskosten eines Wechselpritschensystems im Vergleich zu Einzelfahrzeugen machen den wirtschaftlichen Vorteil dieser Lösung aus. Die nachfolgende Tabelle zeigt beispielhaft, dass das Wechselsystem mit Universalstreuer-, Überlade- und Silageaufbau rund 25 % günstiger angeschafft werden kann. Das entspricht einer Einsparung von fast 30.000 Euro.
| Wechselpritschensystem | Einzelfahrzeug |
Trägerfahrzeug (Pritsche) | 22.100 € | - |
Universalstreuer (18t) | 24.000 € | 41.500 € |
Überladewagen | 23.000 € | 39.700 € |
Silagewagen | 17.600 € | 34.800 € |
Summe | 86.700 € | 116.000 € |
Vom frühen Frühjahr bis Spätherbst im Einsatz
Der Schlüssel zum wirtschaftlichen Einsatz von Spezialmaschinen ist eine hohe Jahresauslastung. Das Wechselpritschenfahrzeug ist mit dem Universalstreueraufbau bereits ab Februar/März im Einsatz, während sich die meisten Silage- und Überladewagen noch im „verlängerten Winterschlaf“ befinden. Mit Beginn des ersten Schnittes im Grünland sammelt die „Wechselpritsche“ mit dem Silageaufbau weitere 170 Betriebsstunden in der Grünfutterbergung. Für die Raps- und Getreideernte wechselt die Maschine mit dem Überladeaufbau in das Ringgebiet des MR Wagrien in Ostholstein, eine typische Ackerbauregion. Hinrich Tamm aus Suhlsdorf ist Hauptmieter und nutzt den Überladewagen zur Steigerung der Mähdrescherleistung auf seinen rund 400 ha Druschflächen. Über einen Makler- und einen Mietvertrag wickelt der Maschinenring die Solo-Vermietung im Auftrag seiner Mitglieder ab.
Für die Silomaisernte geht es schließlich wieder zurück in die Milchviehregion Mittelholstein. Mit dem Silageaufbau läuft die Maschine nun weitere 400 Stunden zwischen Feldhäckslern und Fahrsilos. Nur durch die Zusammenarbeit von Milchvieh- und Ackerbaubetrieben könne die enorme Jahresauslastung von 1200 Stunden realisiert werden, so MR-Geschäftsführer Thomas Harbeck. Erst die Kombination mit dem Überladeaufbau mache das Wechselpritschensystem wirtschaftlich sehr interessant, fasst Harbeck seine Maschinenkostenberechnungen zusammen.