Bundesverband der Maschinenringe e.V.

Wachsen mit dem Maschinenring

Bernd Thies und Azubi Florian Stoffert mit einer Mietmaschine des MR Mittelholstein

Der Milchviehbetrieb der Familie Thies aus Liesbüttel in Schleswig-Holstein ist auf Wachstum ausgerichtet. Betriebsleiter Bernd Thies plant die nächsten Wachstumsschritte und sieht eine zentrale Rolle des Maschinenrings besonders in der Außenwirtschaft.

Der 155 ha große Betrieb mit 200 Milchkühen ist mit Weitblick und Optionen für die Zukunft geplant. Fahrsilos und Kuhställe könnten auf den Freiflächen hinter dem Hof problemlos auf die doppelte Größe erweitert werden. Das Melkkarussell mit 32 Plätzen hat der Bezirksvorsitzende des Bauernverbandes bereits vor Jahren für rund 400 Kühe dimensioniert.
Außenwirtschaft überbetrieblich erledigen lassen
Schon heute spielt der Maschinenring Mittelholstein eine wichtige Rolle in den Abläufen des Betriebes. Für Klauenpflege bestellt Thies bereits seit vielen Jahren regelmäßig die erfahrenen Klauenpfleger des Maschinenrings. Die MR-Futterbörse hilft ihm mit Heu, Stroh oder Silage aus, wenn seine eigenen Bestände aufgebraucht sind. Mietmaschinen des Maschinenrings haben ihren festen Platz bei der Planung des Maschinenparks. Beispielsweise Schlepper, Kipper und Großflächenstreuer werden bei Erntearbeiten und anderen Arbeitsspitzen eingesetzt. Der eigene Maschinenpark kann deshalb „schlanker“ gehalten werden und bindet damit weniger Kapital, das wiederum für Stallerweiterungen und Quotenzukauf zur Verfügung steht. Bernd Thies plant, mit der Aufstockung der Milchvieherde die Außenwirtschaft in großen Teilen überbetrieblich erledigen zu lassen und sieht den Maschinenring dabei in einer zentralen Rolle.

Die GbR und der Faktor „Mensch“ 

1997 hat Bernd Thies den elterlichen Betrieb mit 120 ha, 100 Milchkühen und Bullenmast übernommen. Ein Jahr später gründete er gemeinsam mit einem benachbarten, ähnlich strukturierten Betrieb eine GbR. Gemeinsam wurde mit viel Eigenleistung ein neuer Stall mit Melkkarussel für rund 200 Kühe gebaut. Menschliche Probleme führten schließlich zum Scheitern der Gesellschaft. Thies übernahm im Jahr 2005 die Stallanlagen und erwarb über den Kauf eines Betriebes in Mecklenburg-Vorpommern die notwendige Milchquote von 1,8 Mio. Liter. Damals war der Quotentransfer über Ländergrenzen noch möglich.

Als Vorstandsmitglied der Agrarberatung Mitte hat Bernd Thies zahlreiche Gesellschaften von Milchviehhaltern begleitet. Betriebswirtschaftlich und arbeitstechnisch hätten die GbRs unbestritten deutliche Vorteile im Vergleich zum „Einzelkämpfer“. Oft aber mache der Faktor Mensch nach einigen Jahren unüberwindliche Probleme. Bei der Neugründung einer GbR empfiehlt Thies deshalb genau zu prüfen, ob die Betriebe und vor allem die Betriebsleiter auf Dauer zusammenpassen.

„Bei 400 Kühen muss nicht Schluss sein“

Heute bewirtschaftet der Betrieb etwa 155 ha mit 50 ha Eigenland. 50 ha sind Grünland und 90 ha werden vorwiegend mit Mais bestellt. Kraftfutter wird entsprechend der Marktlage zugekauft. Ein bis zwei Auszubildende oder Praktikanten, eine 400-Euro-Melkkraft, der Vater als Altenteiler sowie Bernd Thies als einzige Vollzeitkraft müssen die Arbeit rund um die 200 Kühe bewältigen – eine knapp kalkulierte personelle Ausstattung.

Mittelfristiges Ziel ist die Aufstockung der Herde auf 2,5 Mio. Liter, um einen Herdenmanager und Melker fest einstellen und bezahlen zu können. Dahinter steht die Sorge des Betriebsleiters, wie der Betrieb bei Ausfall des Betriebsleiters weitergeführt werden kann. Allerdings ist für Thies Wachstum nicht alles. Kostendeckende Preise mit angemessener Gewinnspanne sind für ihn, wie für jeden Unternehmer Voraussetzung für Investitionen. Milchviehbetriebe könnten nicht kontinuierlich wachsen sondern müssten durch Stallerweiterung und Quotenzukauf in Sprüngen wachsen. Deshalb sollten Wachstumsinvestitionen genau überlegt sein. Der 44-jährige kann sich durchaus vorstellen, einen Betrieb mit 700 bis 800 Tieren zu bewirtschaften.

Kurzfristige Lieferverträge bevorzugen

Der Betrieb Thies wechselt gerne die abnehmende Molkerei für seine jährlich mehr als 1,8 Mio Liter Milch. Thies rät seinen Berufskollegen ebenfalls zu kurzfristigen Lieferverträgen. Das bringe Bewegung in die Branche mit der Folge, dass sich die Erzeugerpreise nach oben entwickeln könnten. Allerdings erfordere die kurzfristige Lieferbindung Mut zu unternehmerischem Handeln und Risikobereitschaft, die sich für Thies jedoch mit überdurchschnittlichen Erlösen ausgezahlt hat. Zurzeit liefert er mit einjähriger Bindung an die Privat-Molkerei Ricker in Wismar. Das Familienunternehmen, das sich auf Spezialprodukte im Bereich der Käseherstellung spezialisiert hat, ermögliche eine freiere Vertragsgestaltung ohne die mindestens zweijährige Bindung durch den Erwerb von Genossenschaftsanteilen.

Europäischen Markt zu europäischen Kosten bedienen

In Deutschland und Europa werde zu höheren Kosten produziert als in Schwellenländern bedingt durch weit schärfere Umwelt- und Produktionsauflagen sowie deutlich höhere Arbeits- und Betriebsmittelkosten. Ziel müsse es sein, den europäischen Markt auch zu europäischen Kosten zu bedienen. In Deutschland könne man den Liter Milch nicht für 17 Cent wie in Chile produzieren. Ein vernünftiges Preisgefüge sei letztlich auch ein Schutz deutscher und europäischer Arbeitskräfte. Qualifizierte Kräfte werden aus der Milchproduktion abwandern, wenn sie nicht adäquat entlohnt werden - ein Trend, der für die Qualität des Produktes nicht förderlich sein dürfte.


Bild: Ausbildung ist für den Landwirtschaftsmeister Bernd Thies eine Selbstverständlichkeit. „Azubi“ Florian Stoffert (links) fährt eine Mietmaschine des Maschinenring Mittelholstein.