Bundesverband der Maschinenringe e.V.

Strohmühle – die Kuh mag´s mundgerecht

Datum: Donnerstag, 24. September 2009

 

In modernen Milchviehbetrieben darf Stroh im Futter und in den Liegeboxen nicht fehlen – aber bitte mundgerecht. Bernd Müller aus Feldhorst bei Hamburg hat eine neuartige, mobile Strohmühle für den überbetrieblichen Einsatz über den MR Lübeck-Eutin-Süd angeschafft. Kann die leistungsstarke Maschine mit den herkömmlichen Ballenpressen mit Häcksel- oder Schneidvorsatz konkurrieren?

 

Getreidestroh ist als Komponente in TMR-Mischungen weit verbreitet, weil der „Strukturgeber“ die Futteraufnahme verbessern und die Milchleistung steigern soll. In den Liegeboxen kann fein gehäckseltes Stroh Holzspäne ersetzen, die sonst zugekauft werden müssen. Das zerkleinerte Stroh ist deutlich saugfähiger als Langstroh, so dass besonders in Pferdeboxen bis zu 50 % weniger Einstreu gebraucht wird. Die Gülle bleibt gut pumpfähig und weder Spaltenböden noch Rohrleitungen werden durch das gehäckselte Material verstopft. Mit dem Kurzstroh können aber auch kostengünstig Schwimmschichten auf Güllebehälter aufgebracht werden. Auch als einfache Alternative zum Schutz einer Zuckerrüben-Miete ist das gehäckselte Stroh geeignet.
 
Mundgerecht und saugfähig muss es sein!
„Die Landwirte sind durchweg überrascht und begeistert von der Leistung und dem Arbeitsergebnis der Strohmühle“, berichtet Bernd Müller über seine ersten Kunden. Der US-Import vermahlt das Stroh auf einstellbare Längen von rund 2 bis 4 cm. Bernd Müller verarbeitet mit seiner Roto Grind 760 etwa 30 bis 35 Rundballen in einer Stunde. Das entspricht etwa 10 Tonnen oder 50 m³ gepresstes Stroh. Laut Angaben des Herstellers sollen bis zu 25 Tonnen in der Stunde möglich sein.
Bernd Müller war selbst Milchviehhalter bis er ein Lohnunternehmen gründete. Er empfiehlt den Strohbedarf für 3 bis 4 Monate mahlen zu lassen und in einer Halle oder unter einem wasserabweisenden Vlies zu lagern. Das Getreidestroh könne kostengünstig mit einfachen Maschinen gepresst werden und in der arbeitsarmen Zeit nach Bedarf gemahlen werden, beschreibt der Lohnunternehmer einen Vorteil des neuen Verfahrens. Zudem sei die Qualität des gemahlenen Strohs besser, betont Müller: „Die Halmstücke werden durch 24 rotierende Schlegel regelrecht weich geklopft. Das Material ist nicht so scharfkantig wie beispielsweise geschnittenes Stroh. Die Kuh kann gemahlenes Stroh im Futter nicht mehr aussortieren. Die größere Oberfläche und die zerschlagene Wachsschicht führen zu einer besseren Saugfähigkeit des Einstreumaterials.“
 
Günstiger als die Presse mit Häckselvorsatz
Die Packenpresse mit Häckselvorsatz sei in seinem Ringgebiet das beliebteste Verfahren zur Strohzerkleinerung, so MR-Geschäftsführer Thomas Harbeck. Trotz des stolzen Preises von 7,20 € je m³ Häckselballen wählen die Kunden immer wieder die Presse, weil die Qualität überzeugend sei. Rechnet man mit 3,20 € je m³ für das Pressen des Langstrohs und dazu die Kosten für die Strohmühle von ca. 3 € je m³, so beträgt der Preisvorteil rund 1 € je m³. Allerdings wird die Strohmühle nach Einsatzstunden abgerechnet, so dass die Qualität der Zuarbeit durch den Auftraggeber entscheidend die Kosten des Verfahrens beeinflussen kann.
 
Inzwischen sind in Deutschland 15 Roto Grind Strohmühlen im Einsatz, bestätigt der Importeur Markus Hessler. Der Milchviehhalter ist Mitglied im Maschinenring Ansbach und war lange auf der Suche nach einer arbeitswirtschaftlich effizienten Lösung, um die Liegeboxen seiner 80 Kühe einzustreuen. Schließlich erinnerte er sich an einen USA-Aufenthalt und bestellte für seinen Betrieb eine Roto Grind 760. Er war so begeistert von der Maschine, dass er den Vertrieb für Deutschland übernahm.
 
Handling im Stall aufwändiger
Der Umstieg vom Häcksel-Packen zum gemahlenen Stroh als Einstreumaterial erfordert allerdings eine arbeitswirtschaftliche Umorganisation im Betrieb. Das Material ist lose und muss mit einer Schaufel am Rad- oder Teleskoplader im Betrieb bewegt werden. Rund- oder Quaderballen seien im Stall einfacher zu handhaben, muss auch Bernd Müller zugeben. Aber er setzt ganz auf die Kreativität der Landwirte, die sicher gute Lösungen finden werden.
 
Weitere Informationen zum Thema lesen Sie in Maschinenring Aktuell 4/2009 (Dez.)