Bundesverband der Maschinenringe e.V.

Durch die moderne Navigations- und EDV-Technik tun sich für die Maschinenring Gemeinschaften neue Möglichkeiten auf. Mit überschaubarem technischen Aufwand können heute zum Beispiel alle überbetrieblichen Arbeiten in Echtzeit am Computerbildschirm verfolgt und automatisch erfasst und dokumentiert werden
Laptops auf Feldhäckslern und Rübenrodern und Navigationsgeräte mit Funkverbindung zur Einsatzleitung sind in vielen Ringen schon seit einigen Jahren im Einsatz. „Es hilft ungemein und wir würden diese Technik nie wieder hergeben“ sagt zum Beispiel Werner Müller, Geschäftsführer im Maschinenring Dillingen. „Unser Einsatzgebiet in der Zuckerrübenkampagne hat einen Durchmesser von 160 Kilometer“, so Müller weiter, „das ist eine logistische Herausforderung. Wir markieren elektronische Luftbilder und speichern sie auf den Laptops, damit die Fahrer der Leitmaschinen ohne Probleme die Felder finden, wo sie arbeiten müssen. Genauso bewährt hat es sich, dass die Transportfahrzeuge per GPS direkt zum Roder navigieren können. Früher sind immer wieder Fahrer im Nichts gelandet und oft auch noch im Schlamm steckengeblieben – unter zwei oder drei Stunden Zeitverlust ging dann meist gar nichts“. Durch den Einsatz moderner Kommunikations- Technik werden die Felder – egal, ob Rüben, Mais oder Grassilage – also mit weniger Zeitverlust als früher abgeerntet und die Fahrer der Leitmaschinen und der Transportfahrzeuge finden ohne lästige Sucherei die richtigen Schläge.
Quantensprung kommt
Das Maschinenring-eigene System, das in Dillingen im Einsatz ist, ist allerdings erst der Anfang: Schon in der kommenden Erntesaison 2010 wird noch einmal technisch aufgerüstet. Dann soll nicht nur die Kommunikation zwischen den Einsatzfahrzeugen verbessert werden, indem zum Beispiel die Leitmaschinen jederzeit online mit zusätzlichem Kartenmaterial für neue Aufträge versorgt werden können, sondern es sollen auch alle Arbeitsstunden und Arbeitsschritte automatisch erfasst werden. „Das wäre ein Quantensprung. Bisher sind wir auf handschriftliche Meldungen angewiesen. Ein Mitarbeiter ist eine ganze Woche lang damit beschäftigt, die Arbeitszeiten der Fahrer in eine Excel-Tabelle zu übertragen. Das ist ein Riesenaufwand“ sagt Werner Müller. Die Fahrer müssen sich bei dem neuen System für die automatische Zeiterfassung lediglich über einen Tastendruck am Navigationsgerät an- und bei Arbeitsende wieder abmelden, das EDVProgramm erstellt dann alle gewünschten Auswertungen.
Nachweispflicht einhalten
Ein weiterer Vorteil ist die Dokumentation, die den Landwirten dann detailliert und elektronisch zur Verfügung steht. Das erleichtert die Einhaltung der Nachweispflicht. „Das Ziel muss es sein, dass die Maschinenringe den Mitgliedsbetrieben bei Bedarf den Organisationsaufwand rund um Ernte, Transport und Arbeitskraft abnehmen“ sagt Gerhard Röhrl, Geschäftsführer im BMR e.V., „das geht mit der neuen Technik komfortabler und genauer als mit den handschriftlichen Zetteln, die bisher im Nachgang ausgewertet werden müssen “. Voraussetzung für die Nutzung des Logistik-Programms ist die Anschaffung von Laptops, Navigationsgeräten und einem kleinen Zusatzgerät („Link“) für alle Leitmaschinen. Transportfahrzeuge brauchen nur das Navigationsgerät und das Linkkästchen. Mit dieser überschaubarer Technik in den Einsatzfahrzeugen können alle Fahrzeuge, die gerade im Einsatz sind, ihre nächsten Ziele – also zum Beispiel den Maishäcksler bei einer Biogas-Kette oder das Ladegerät bei der Rü̈benabführ – punktgenau orten.In den Geschäftsstellen können zudem alle Fahrzeuge als bewegte Punkte auf einer Landkarte am Computerbildschirm verfolgt werden. Leitfahrzeugen und Transport-LKWs können so optimal aufeinander abgestimmt werden, teure Standzeiten und Fehlfahrten gibt es kaum noch.
Gemeinschaften profitieren
Neben Ernteketten mit vielen Fahrzeugen könnten auch kleinere Maschinengemeinschaften von der digitalen Erfassung aller Arbeitsschritte profitieren. Jutta Michel, Geschäftsführerin im Maschinenring Maindreieck, kann sich zum Beispiel einen Einsat bei den überbetrieblichen Fahrten der Selbstfahrspritze vorstellen, die in ihrem Ringgebiet 50 Landwirte gemeinsam nutzen. Michel testet die Zielführung mit funkgesteuerten Navigationsgeräten und die automatische Erfassung der Fahrerzeiten gerade bei der Zuckerrübenabfuhr – und sieht darin Potenzial für eine Reihe von zusätzlichen Anwendungen. Die Verwaltung von Maschinengemeinschaften könnte spürbar erleichtert werden, zudem könne man allen beteiligten Landwirten die Sicherheit geben, dass alle Arbeitsschritte auf ihren Feldern exakt dokumentiert sind. „Das würde die Zusammenarbeit noch ein Stück sicherer und nachvollziehbarer machen“, so Jutta Michel.
Großes Potenzial
BMR-Geschäftsführer Gerhard Röhrl geht davon aus, dass sich in der Praxis noch eine Vielzahl von weiteren Anwendungen ergeben werden. „Man könnte zum Beispiel auch die Arbeitsstunden von Betriebshelfern automatisch erfassen oder die genauen Arbeitswege von gemeinsam genutzten Futtermischwägen darstellen und aufbereiten“ sagt er, „auf der Agritechnica kamen viele Landwirte an unseren Stand und brachten tolle Ideen mit. Da ist viel Bewegung drin, das bringt neuen Schwung in die Arbeit der Maschinenringe“.
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| 091022_MR_Logistik_Broschuere_download.pdf | 706.6 KB |