Geschafft! Die Planung für die Kampagne 2008 ist unter Dach und Fach. Mit viel Geduld und Erfahrung sind die Interessen von Rübenanbauern und Zuckerfabriken und die Kapazitäten der LKW-Flotte unter einen Hut gebracht.
Fast eine Million Tonnen Zuckerrüben warten in Feldrandmieten auf ihren Abtransport in die Zuckerfabrik – und alles „Just in time“. Das bedeutet, die richtige Menge zur richtigen Zeit am richtigen Ort, damit die Fabrik ohne Stillstand arbeiten kann. Die Atmosphäre in der Geschäftsstelle Ambergau-Börde-Vorharz ist gespannt. Endlich ist der 21. September 2008 da. Noch in der Nacht rollen 28 LKW von den Höfen zwischen Hannover und Vorharz und jeder weiß wohin – dank professioneller Planung.
Fast 1,8 Millionen Kilometer haben die Muldenkipper vor sich, bis die letzte Zuckerrübe im Bunker der Zuckerfabriken verschwindet. Und dann passiert, was eigentlich nicht passieren soll – ein technischer Defekt in einer Zuckerfabrik. Die ganze Planung muss umgestellt werden. Jetzt ist viel Erfahrung gefragt. In Windeseile werden die Verlademäuse und die modernen Leichtbau-Sattelzüge umdisponiert, um die neuen Vorgaben der Nordzucker AG termingerecht erfüllen zu können – natürlich alles während die LKW weiter rollen. Denn Stillstand darf nicht sein. Da geht es den bäuerlichen Speditionen nicht anders als ihren gewerblichen Kollegen.
Rückläufige Frachtvergütungen, steigende Kosten und schärfere Auflagen zwingen die bäuerlichen Abfuhrgemeinschaften zu jeder erdenklichen Sparmaßnahme. Die Muldenkipper müssen 24 Stunden am Tag rollen und zwar an sechs Tagen der Woche, auch an den Weihnachtsfeiertagen. Die bäuerlichen Transportgemeinschaften unter dem Dach der Maschinenringe zwischen Bayern und Schleswig-Holstein verfolgen ein Ziel: Den Rübentransport und dessen Wertschöpfung in bäuerlicher Hand zu halten.
Technik und Erfahrung Hand in Hand
Moderne GPS-Navigation und Dispositionssoftware erleichtern den Disponenten in den Maschinenring-Geschäftsstellen die anspruchsvolle Arbeit. Aber auch die moderne Technik kann die Ortskenntnisse und die Erfahrung der Fahrer nie vollständig ersetzen. „Wir brauchen den direkten telefonischen Informationsaustausch zwischen den Fahrern.“, betont MR-Geschäftsführerin Sabine Hagemann. „Aktuelle Informationen zum Wegezustand und der Anfahrtsroute im Nahbereich der Rübenmieten können so auf kurzem, direktem Weg ausgetauscht werden.“ Auch den Schichtwechsel organisieren die 215 Fahrer eigenständig per Mobilfunk.
Arbeitswoche von Sonntag bis Samstag
Viele Rübenanbauer sitzen selbst am Steuer der PS-starken 40-Tonner. Sie sind gleichzeitig die Gesellschafter der als Genossenschaft oder GmbH & Co. KG firmierenden Transportgemeinschaften. Richard Liebe ist einer von ihnen und dazu noch als Obmann für einen LKW und die zugehörigen zehn Fahrer verantwortlich. Zwischen 15 und 30 Kilometer Landstraße und Ortsdurchfahrten trennen die Rüben von den drei Verarbeitungsfabriken. Vier bis fünf Fuhren fährt Richard Liebe in einer 10-Stunden-Schicht. Der Sonntag ist Wasch- und Wartungstag. Die Fahrer befreien die Sattelzüge vom Schlamm der Feldwege, die dabei nicht selten bis zu 500 Kilogramm Leergewicht verlieren. Bis zum Wochenstart gegen 22:00 Uhr versucht Richard Liebe noch ein paar Stunden zu schlafen, was ihm aber nicht immer gelingt. Dann rollen die LKW im 10-Minuten-Takt von den Höfen zu den Verladestellen, wo im grellen Scheinwerferlicht gearbeitet wird, während die meisten Menschen schlafen. Die ersten Züge fahren schließlich um 0:00 Uhr pünktlich mit Öffnung der Tore auf das Fabrikgelände. Mehr als drei Nachtschichten pro Woche können die meisten Fahrer nicht leisten, weil der Betrieb zuhause weiterlaufen muss. Am Samstag gegen 21:00 Uhr stehen die LKW nach einer langen Woche wieder auf den Höfen der Obmänner. „Im Nachhinein ist es doch immer wieder ein kleines Wunder, wie man den Herbst mit der Rübe übersteht.“ erinnert sich Richard Liebe jedes Jahr aufs Neue.
Sicherheit wird groß geschrieben
Oft müssen die 40 Tonnen Gesamtgewicht bei Nacht und bei Eis und Schnee sicher manövriert werden. Die meisten LKW-Fahrer absolvieren deshalb ein Fahrertraining um die teuren LKW sicherer und sparsamer fahren zu können. Und natürlich für die eigene Sicherheit. „Durch die Übungen auf der vereisten Schleuderpiste des ADAC habe ich mehr Sicherheit gewonnen und weiß, wie ich in Gefahrensituationen am besten reagiere“, betont Richard Liebe. Das Fahrertraining zeigt Wirkung. In der letzten Kampagne mussten nur zwei LKW mit leichten Schäden aus dem Graben gezogen werden. Die Einhaltung der Pausenzeiten wird durch die digitalen Tachometer kompromisslos überwacht und aufgezeichnet. Für jede Übertretung droht am Ende der Kampagne ein Bußgeld von 150 €. Während der maximalen Lenkzeit von 9 Stunden muss mindestens eine Dreiviertelstunde Pause eingelegt werden.
„Nach der Kampagne ist vor der Kampagne“
Getreu dem Motto „nach der Kampagne ist vor der Kampagne“ sind die Vorbereitungen für den kommenden Herbst in den Maschinenringen Ambergau-Börde-Vorharz, Hannover-Land, Peine und Lüchow bereits seit dem Jahresbeginn in vollem Gang. Richard Liebe saß bereits im Januar in seiner Funktion als Beiratsvorsitzender mit Vertretern der Nordzucker AG, der Verladegesellschaften und der Maschinenringen zusammen. „Manöverkritik“ stand auf der Tagesordnung. Wie können die Entladezeiten weiter gestrafft werden? Wie können die Stillstandzeiten von LKW und Verlademäusen weiter verringert werden? Noch steigt die Tonnage der drei Abfuhrgemeinschaften im Bördegebiet südlich von Hannover von Jahr zu Jahr, so dass die Transporte immer noch kostendeckend sind und einen kleinen Gewinn abwerfen. Allerdings sind die Möglichkeiten zur Optimierung der Transporte weitgehend ausgereizt. Lediglich kleine „Stellschrauben“ bleiben den Logistik-Experten der Maschinenringe. Die ausgezahlten Fahrerlöhne kommen direkt den Rübenanbauern und Landwirten in der Region zugute.
Weitere interessante Artikel finden Sie in unserem Jahresbericht 2008 (PDF 4,6 MB)

