Bundesverband der Maschinenringe e.V.

Mehr Markt, weniger Politik!

Datum: Samstag, 28. Juni 2008

 

Landwirte müssen mehr Interesse für die Trends der Agrarmärkte weltweit entwickeln, und zwar tagesaktuell, empfahl Dr. Andreas Quiring beim Tag der Maschinenringe am 13. Juni in Deggendorf. Der Einkauf und Verkauf zu guten Preisen werde in Zukunft über den Betriebserfolg entscheiden.

 

 

Der Chefökonom der DLG zeichnete im Rahmen seines Vortrags „Trends und Zukunftsprognosen in der Landwirtschaft“ ein Bild der Landwirtschaft in 30 bis 50 Jahren und gab wertvolle Hinweise zur strategischen Ausrichtung insbesondere für Ackerbaubetriebe. Der Experte für internationale Agrarmärkte berichtete von seinen Erfahrungen mit amerikanischen Farmern, die sich nach dem sonntäglichen Kirchgang nicht über Schlepperleistungen und Arbeitsbreiten unterhielten, sondern über Preise, Märkte, das Wetter in Australien, oder die Ernteprognosen für Kanada und die Ukraine. Die vielfach zitierte und geforderte Planungssicherheit werde es in Zukunft nicht mehr geben – schon gar nicht von der Politik, die zukünftig mehr und mehr an Einfluss auf den Agrarsektor verlieren werde. Schon heute sieht eine Mehrzahl von Landwirten, die im Rahmen des DLG-Trendbarometers befragt wurden, einen großen Einfluss der Märkte auf den eigenen Betrieb, während die Bedeutung der Agrarpolitik im Vergleich zu den Vorjahren als deutlich geringer eingeschätzt wird. In das Betriebsmanagement müssen deshalb in Zukunft die folgenden Grundsätze verstärkt einbezogen werden: Liquidität wird wichtiger als Rentabilität. Die Planungshorizonte werden kürzer. Strategisches Risikomanagement, um verstärkte Marktschwankungen aufzufangen, wird überlebenswichtig.
 
Konkurrenz mit kapitalkräftigen Anlegern
Die deutschen und viele europäische Landwirte beurteilen die konjunkturelle Lage der Landwirtschaft nach Umfragen der DLG in der Mehrzahl mit gut. Die hohen Erzeugerpreise für Weizen, Mais und Soja werden kein kurzfristiges „Strohfeuer“ sein, sondern dauerhaft auf hohem Niveau bleiben prognostizierte Quiring aufgrund von Marktbeobachtungen. Die hervorragenden Aussichten der Branche sowie die rasant steigenden Preis für fossile Energieträger machen Agrarrohstoffe allerdings auch für branchenfremde Kapitalanleger attraktiv. Die Landwirte müssten sich zukünftig auf Rentenfonds und Industrieunternehmen aus anderen Branchen als neue Akteure auf den Agrarmärkten einstellen. Die Konkurrenten von morgen könnten Aton GmbH im Ackerbau und CAG Invest in der Milchviehhaltung heißen.
 
Liquidität geht vor Rentabilität
In das Betriebsmanagement müssten deshalb in Zukunft die folgenden Grundsätze verstärkt einbezogen werden, so Quiring: Liquidität ist wichtiger als Rentabilität. Die Planungshorizonte werden kürzer. Strategisches Risikomanagement wird überlebenswichtig, um verstärkte Marktschwankungen aufzufangen. Der DLG-Experte charakterisierte den erfolgreichen, landwirtschaftlichen Unternehmer der Zukunft wie folgt:
  • Global denkend, überregional vernetzt als DLG-Mitglied
  • In der Region verankert als MR-Mitglied
  • Marktprofi
  • Aktives Risikomanagement
  • Schnelle Invest- und Deinvestentscheidungen
  • Maximale Know-how-Verwertung
 
 
Strukturwandel geht weiter
Bereits im Jahr 2030 werde die durchschnittliche Betriebsgröße in Deutschland bei 120 ha LF liegen. Ein Ackerbaubetrieb, der heute 200 ha bewirtschaftet, bestellt bei einem angenommenen Wachstum von 4 % bereits im Jahr 2025 rein rechnerisch 400 ha. Diese geschätzte Wachstumsrate der deutschen Betriebe könne sogar noch höher ausfallen, rechnete Quiring vor. Die Konkurrenz am Pachtmarkt, branchenfremde Investoren und die zunehmenden Herausforderungen an das Liquiditätsmanagement könnten den Strukturwandel noch beschleunigen. Auch regionale Verschiebungen der Agrarproduktion innerhalb Deutschlands sieht der DLG-Ökonom für die Zukunft. Beispielsweise werde sich die Milchproduktion weiter auf die Bundesländer Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen konzentrieren.
 
Obwohl Quiring seine Prognosen von belastbaren Daten und Umfrageergebnissen ableitete, relativierte er seine Aussagen abschließend mit einem Zitat von Winston Churchill: „Ein Experte ist ein Mann, der hinterher genau sagen kann, warum seine Prognose nicht gestimmt hat.“