Gerade im Steillagenweinbau erfordert die Pflanzung der Reben einen hohen Arbeitszeitbedarf. Dies liegt vor allem an den Arbeitsbedingungen. Zum einen erfordern die skelettreichen Böden eine sorgfältige Pflanzung, zum anderen wird der Transport von Material in die Rebanlagen mit zunehmender Steigung wesentlich erschwert.
Die meisten Pflanzverfahren, die eine Reduzierung des Arbeitszeitbedarfes und eine Senkung der Kosten für die Pflanzung ermöglichen, zeigen im Vergleich zur üblichen Pflanzung (mit Karst und Schaufel) schlechtere Anwuchsergebnisse und ein geringeres Trieblängenwachstum. Dies führt zu einer Verlängerung des Jungfeldstadiums und Ertragsausfällen. Die Nutzung der im Direktzug üblichen Pflanzmaschinen im Steilhang erweist sich als schwierig, da keine geeigneten Trägerfahrzeuge zum Anbau der schweren Pflanzmaschine zur Verfügung stehen. Bei der Pflanzung von oben nach unten stehen nach dem Pflanzen die Reben und die Pflanzstäbe rechtwinklig zur Bodenoberfläche, dies erfordert bei größeren Steigungen eine nachträgliche manuelle Korrektur.
RMS Pflanzsystem bietet deutliche Vorteile
Durch die Zusammenarbeit des Erfinders der Low-Cost-Pflanzmaschine Easy-Plant Peter Schmitt aus Palzem, der Firma Clemens in Wittlich, dem Maschinen- und Betriebshilfsring Trier-Wittlich und dem DLR Mosel, konnte ein System zur rationellen maschinellen Pflanzung im Steilhang entwickelt werden, welches bis zu einer Steigung von ca. 70% eingesetzt werden kann. Dieses Pflanzverfahren basiert auf der Nutzung einer RMS-Raupe als Trägerfahrzeug der Pflanzmaschine.
Die Pflanzung von unten nach oben gewährleistet eine deutlich bessere Arbeitsqualität. Dadurch, dass die Maschine nach oben arbeitet, bleibt der Pflanzschacht komplett offen und die Pfropfreben können ohne Probleme auch mit langen Wurzeln in den Boden gesetzt werden. Ähnlich wie im Direktzug liegen wesentlich bessere Anwuchsraten vor, wenn mit langen Wurzeln (> 20 cm) gepflanzt wird. Dies ist im Steilhang von besonderem Vorteil, weil durch die besonderen Bedingungen, wie geringer Bodenmächtigkeit, hoher Skelettanteil und Trockenphasen, das Jungfeldstadium von Neuanlagen oft einen längeren Zeitraum in Anspruch nimmt als in Flachlagen. Mit dem nun vorhandenen System zur Pflanzung im Steilhang ist diese Benachteiligung deutlich gemindert.
Mit dem vorgenannten System wurde im Jahr 2009 durch den Maschinenring Trier-Wittlich mit einem Team von fünf Arbeitskräften (vier AK vom Lohnunternehmen Müllers und ein Helfer vom Betrieb) in ca. zwölf Stunden ein ha Rebfläche gepflanzt. Hierbei wurden jedoch keine Pflanzstäbchen mitgesetzt, weil die Fahrgeschwindigkeit dies nicht zuließ. Wie aus der Tabelle ersichtlich, können beim Einsatz dieses Verfahrens bei der Neupflanzung rund 700 Euro gegenüber der Pflanzung mit der Hydrolanze und ca. 1800 Euro gegenüber der Pflanzung mit dem Karst und der Schaufel eingespart werden.
Mit der Verbindung von RMS-Raupe und Easy-Plant Pflanzmaschine steht nun ein System zur rationellen maschinellen Pflanzung im Steilhang bereit, welches bis zu einer Steigung von ca. 70 % eingesetzt werden kann. Da die Pflanzung von unten nach oben erfolgt und die Pfropfreben mit langen Wurzeln gepflanzt werden können, bietet dieses Verfahren eine sehr gute Arbeitsqualität. Besonders die Pflanzungen mit Langwurzeln haben in den vergangen Jahren gezeigt, dass höhere Anwuchsprozente und eine Verkürzung der Jungfeldjahre im Steilhang erreicht werden können.
Bei ordnungsgemäßer Vorbereitung Rebpflanzung an der Ehrenfels Weingut Georg Breuer, Rüdesheim. der Pflanzfläche können pro Arbeitstag (8 h/Tag) mit fünf Arbeitskräften etwa 0,7 ha Rebfläche gepflanzt werden. Dies führt sowohl zu einer deutlichen Reduzierung des AKh-Bedarfs gegenüber den bisher üblichen Verfahren, als auch zu einer wesentlichen Kostensenkung und Entlastung des Betriebsleiters. Da nun die Umstellung auf moderne Drahtrahmenanlagen wesentlich erleichtert wird, kann unter Nutzung der Umstrukturierungshilfe eine schnellere Etablierung des Falllinienweinbaus im Steilhang erfolgen. Die besonderen Vorteile einer Falllinienbewirtschaftung mit dem RMS (Kosten- und Arbeitskräftereduzierung) können somit schneller genutzt werden.


