Bundesverband der Maschinenringe e.V.

Landwirt aus Leidenschaft

Datum: Sonntag, 25. Oktober 2009

 

 

„Seit ich denken kann, wollte ich immer Bauer werden“, erinnert sich Karsten Weihe aus dem niedersächsischen Wanna. Da kam das Angebot des Maschinenrings Land Hadeln gerade recht. Heute leistet der gelernte Landwirt seinen Zivildienst als Betriebshelfer beim Maschinenring ab.

 

„Ich schlage damit gewissermaßen zwei Fliegen mit einer Klappe. Ich komme meiner Dienstpflicht nach und sammle eine Menge wertvoller Erfahrungen, die mir sogar als Praxiszeit für die Meisterausbildung angerechnet werden. Karsten Weihe stammt von einem kleinen Nebenerwerbsbetrieb und verbrachte schon früh fast seine ganze Freizeit im Stall und auf dem Feld, wenn er nicht gerade Fußball spielte.
 
„Die Schulbücher hat der Hund gefressen!“
Diese etwas zweifelhafte Entschuldigung brachte Karsten Weihe als Grundschüler vor, wenn er seine Hausaufgaben mal wieder nicht gemacht hatte. Aber in Wahrheit war er wie so oft direkt nach der Schule zum Milchviehbetrieb seines Onkels gegangen, um dort mitzuhelfen. Das hatten seine Lehrer allerdings schnell durchschaut. „Die Hausaufgaben blieben dann oft auf der Strecke“, bedauert der heute 20–Jährige ein wenig. Schon länger hegt er den Wunsch, einmal den Betrieb von Tante und Onkel zu übernehmen. Selbst die derzeit historisch niedrigen Erzeugerpreise für Milch konnten ihn bisher nicht von seinem Vorhaben abbringen.
 
Viel Gefühl für Ball und Tiere
Bei der SG Wanna-Lüdingworth geht Karsten Weihe in der zweiten Kreisklasse auf Torjagd. Viel Ballgefühl und Schnelligkeit bescheinigen seine Mitspieler dem Stürmer. So verwundert es nicht, dass er die Liga-Torschützenliste anführt. Er könnte auch in der Kreisliga spielen, aber das lasse sich zeitlich nicht mit seinem Job als Betriebshelfer „unter einen Hut bringen“, erzählt der Zivi mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Aber seine Prioritäten sind klar gesetzt: die Landwirtschaft hat Vorrang.
 
Betriebshilfe – Nachfrage steigt
Bis zu 20 nebenberufliche Betriebshelfer und 3 Zivildienstleistende setzt Geschäftsführer Dieter Band in seinem Maschinenring ein. Die Nachfrage wachse seit einigen Jahren kontinuierlich, so der MR-Geschäftsführer, der selbst auf einem Milchviehbetrieb groß geworden ist. Er habe in den vergangenen Jahren viele Landwirtssöhne und kommende Hofnachfolger für den Job des Betriebshelfers begeistern können, um die Nachfrage bedienen zu können, so Band weiter. Können die Zivis in einem Maschinenring nicht ausgelastet werden, so gibt der MR-Geschäftsführer die Arbeitskraft frei. Im Landesverband der Maschinenringe Niedersachsen koordiniert Oliver Müller die Verteilung der Zivis und schickt die freien Betriebshelfer in Maschinenringe, die die Kräfte brauchen können.
 
„Man muss die Moorflächen genau kennen!“
Der überbetrieblichen Zusammenarbeit sind in der Region zwischen Stade und Cuxhaven natürliche Grenzen gesetzt. Man spricht nicht ohne Grund vom „nassen Dreieck“, das teilweise sogar ein bis zwei Meter unter Normalnull des Meeresspiegels liegt. In der Regel können die Moorwiesen nur mit leichten Maschinen mit Doppelbereifung befahren werden. „Man muss genau einschätzen können, wie viel Ladung der Boden noch trägt und bestimmte Bereiche mit geringer Tragfähigkeit gänzlich meiden“, betont Wilfried Fisser, Landwirt in Ahlen-Falkenberg. „Wir haben schon viele versackte Großmaschinen herausziehen müssen, weil die Fahrer die Schläge nicht kannten und die Bodenverhältnisse unterschätzt haben.“ Das Ringgebiet des MR Land-Hadeln liegt in einer Milchvieh-Region mit rund 70 % Grünlandanteil und einer Mais-dominierten Fruchtfolge auf den Ackerflächen.
 
 
Bild oben: Zivi Karsten Weihe hat als Torjäger viel Gefühl für den Ball und als Betriebshelfer ebensoviel für Kälber und Kühe.
 
Bild unten: (v.l.) Zivi Karsten Weihe, MR-Geschäftsführer Dieter Band und Betriebsleiter Wilfried Fisser. Das Grundfutter für Rinder im „nassen Dreieck“ besteht vorwiegend aus Grassilage.