Bundesverband der Maschinenringe e.V.

Innenwirtschaft im Focus des Maschinenrings

Klauenpflege passt als Zuerwerb perfekt zu einem Milchviehbetrieb. Warum das so ist, zeigt Günther Renner, selbständiger Klauenpfleger im bayerischen Maschinenring Ansbach.

Wenn die Arbeitsspitzen in der Außenwirtschaft kommen, ruhe die Klauenpflege, weil seine Kunden selbst auf dem Acker und dem Grünland beschäftigt seien und niemand daran denke, einen Klauenpfleger zu bestellen, erklärt Günther Renner. So hat er selbst den Freiraum, die Außenwirtschaft im eigenen Betrieb termingerecht zu erledigen. Der 52-jährige hat seinen Milchviehbetrieb an seinen Sohn übergeben und kümmert sich nur noch um die Außenwirtschaft. An durchschnittlich vier Tagen der Woche ist er als Klauenpfleger unterwegs und entlastet so entscheidend die „Kasse“ des Familienbetriebes. Der Milchviehbetrieb mit 60 Kühen und 100 ha Land alleine reiche nicht, um zwei Generationen den angestrebten Lebensstandard zu sichern. So begründet Renner die frühe Hofübergabe und seinen Wiedereinstieg als selbständiger Klauenpfleger. Bereits als 20-jähriger hatte er bereits begonnen, die „Pediküre“ beim Milchvieh für Berufskollegen zu übernehmen, bis er in den Betrieb seiner Frau einheiratete. Mit dem Aufkommen der Laufställe in den 90er Jahren stieg er wieder schrittweise ein.

Um die Abrechnung kümmert sich der Maschinenring

Mit Abrechnung, Abbuchung und Schreiben von Rechnungen will sich der erfahrene Klauenpfleger nicht selbst belasten. Diese oft ungeliebte Aufgabe überlässt er den Profis vom Maschinenring. So komme sein Geld immer zuverlässig und ohne Ärger und Aufwand mit dem Inkasso, erklärt Renner einen entscheidenden Vorteil seiner MR-Mitgliedschaft. Als Mitglied der Vorstandschaft bestimmt er die Geschicke des Rings zurzeit aktiv mit. Anfragen zur Klauenpflege leitet der MR Ansbach an Renner und weitere Klauenpfleger im Maschinenring weiter. Vielfach haben sich auch feste Kundenkontakte entwickelt, so dass die Milchviehhalter den Klauenpfleger auch direkt anrufen und einen Termin absprechen. Insgesamt arbeiten vier ausgebildete Klauenpfleger im Landkreis Ansbach und den Nachbarkreisen.

Ursprung der überbetrieblichen Klauenpflege

Die ersten Lehrgänge für Klauenpfleger in der Region wurden noch unter dem Dach des Maschinenrings organisiert, erinnert sich Günther Renner. Heute legen Klauenpfleger aus ganz Bayern und benachbarten Bundesländern beim Verein geprüfter Klauenpfleger (VGK) mit Sitz in Achselschwang die Prüfungen im Rahmen der Ausbildung zum „geprüften Klauenpfleger“ ab. Wie im niedersächsischen Echem wird auch in Achselschwang die „funktionelle Klauenpflege“ gelehrt. „Wir arbeiten alle mit einheitlichen, standardisierten Methoden, so dass auch die Zusammenarbeit mit den Kollegen reibungslos funktioniert“, berichtet Renner. Drei Lehrgänge sowie praktische Erfahrung als Assistent eines geprüften Klauenpflegers sind Voraussetzung für die Zulassung zur Prüfung. Jedes Jahr treffen sich auch die erfahrenen Klauenpfleger zu einem Fortbildungslehrgang.

Günther Renner arbeitet zwar überwiegend alleine, kooperiert jedoch auch mit Kollegen, besonders bei Notfällen, wenn es schnell gehen muss oder wenn große Betriebe bedient werden müssen. Zwei Klauenpfleger am Pflegestand schaffen bis zu 100 Kühe an einem langen Arbeitstag. Die Klaue wird mit „Flex“ und Messerscheibe bearbeitet und die Hohlkehlung mit einem Messer oder einer Schleifscheibe geformt. Seit 2 Jahren arbeitet Renner mit einem neuen elektrischen Durchtreibestand vom Typ Tauro Fix. Seine Tagesleistung im „Ein-Mann-Betrieb“ habe er um etwa ein Drittel auf bis zu 65 Milchkühe gesteigert, rechnet Renner vor. Insgesamt mehr als 5000 Kühe pro Jahr schafft er mit seinem mobilen Pflegestand, der von zwei Elektromotoren angetrieben wird. Renner hat selbst ein Zutreibeverfahren entwickelt, das die Basis für eine Leistung von neun Kühen pro Stunde und Klauenpfleger ist.

Mehr Milch mit gesunden Klauen

Die Laufstallbetriebe rund um Ansbach lassen etwa alle 6 Monate die Klauen pflegen. Je höher die Leistung der Kühe, um so häufiger lohne sich auch das Klauen schneiden, erklärt Günther Renner. Regelmäßige Klauenpflege wird heute von den Tierärzten dringend angeraten, um eine Hochleistungsherde gesund zu erhalten. Der Schaden durch Lahmheit einer Milchkuh wird mit bis zu 310 € pro Jahr beziffert. Auf den harten Betonspaltenböden führen deformierte Klauen zu schmerzhaften Fehlstellungen und vermehrt zu Klauenkrankheiten. Die Tiere fressen weniger und die Milchleistung sinkt. Etliche Studien belegen, dass sich durch regelmäßige Klauenpflege die Nutzungsdauer um mindestens eine Laktation verlängert. Gute Gründe für eine regelmäßige Pediküre beim Milchvieh.

In den 1990er Jahren haben in der Region viele Betriebe Laufställe gebaut und ein Generationswechsel fand vielerorts statt. Seither wachse der Bedarf an überbetrieblicher Klauenpflege parallel mit der steigenden Milchleistung stetig, so Renner. Der typische Betrieb der Region melkt 40 bis 45 Kühe. Aber auch Nebenerwerbsbetriebe mit rund 15 Kühen im Anbindestall sind nicht selten zu finden.