1996 entdeckte die „Wahl-Münchnerin“ ihre Leidenschaft für das Freeclimbing und erklomm auf ihrem Weg zur Extrembergsteigerin erfolgreich zahlreiche „Sechs- und Siebentausender“. Am 27. Mai 1999 stand sie schließlich auf dem höchsten Gipfel der Welt auf 8.848 Meter über dem Meeresspiegel. Sie meisterte im Team der „Himalayan Experience Expedition“ den Aufstieg über die schwierige Nordroute in Tibet. Damit ging für die 41-Jährige ein Lebenstraum in Erfüllung und sie gewann wertvolle Erfahrungen für das Privatleben und den Arbeitsalltag. Ein Erlebnis hin- und her gerissen zwischen Erfolgen und Rückschlägen mit dem Blick zurück auf das Geschaffte und natürlich auf den Weg, der noch vor ihr lag. Ein Weg zwischen Eistürmen und über Gletschermoränen, von Camp zu Camp mit Yaks und tibetischen Scherpas.
„Jede Etappe ein eigener kleiner Gipfelsturm“
Die Erfolgsquote am Mount Everest liegt bei etwa 20 %. Gerade 30 von 150 Versuchen in jedem Jahr enden mit dem obligatorischen Gipfelfoto. Schneestürme und lebensfeindliche Temperaturen machen den Aufstieg zum „Dach der Welt“ nahezu unmöglich. Lediglich in einem Wetterfenster von 4 bis 5 Tagen meistens Mitte bis Ende Mai kann man den Aufstieg zum Gipfel überhaupt wagen. Stürmische Aprilwochen mit Schnee und Wolkenfetzen hatten den Zeitplan immer wieder zunichte gemacht. Mit dem Abstieg zurück zum Basislager erreichte die Stimmung schließlich einen Tiefpunkt. Unendlich erscheinendes Warten begann. Man konnte nichts Besseres tun, als sich von der Gelassenheit der Sherpas „anstecken zu lassen“ und die lang werdende Zeit zum „Kräfte sammeln“ für den erneuten Aufstieg zu nutzen. Auf die erfahrenen „Kenner des Berges“ konnte man sich verlassen.
In Gipfelnähe zählt jeder Schritt
In der so genannten Todeszone oberhalb 8.000 Höhenmeter wird der Körper bei eisiger Kälte und „dünner Luft“ trotz Sauerstoffmaske jede Stunde schwächer. Nur geduldiges „Kräfte sammeln“ und gute Einteilung des eigenen Leistungsvermögens machen die letzte Etappe möglich. Man bewege sich nah an der Grenze des Menschenmöglichen. Das Team motiviert, wenn man selbst meint, es gehe nicht mehr weiter. Nur noch wenige Schritte, der Lohn für die unglaublichen Strapazen ist zum Greifen nah. Am Gipfel mischt sich ein euphorisches Glücksgefühl mit einem unbeschreibliches Panorama der Bergwelt des Himalaja. Doch schon bald „ruft“ der Abstieg, um noch bei Tageslicht das Camp zu erreichen.
Eiserner Wille mit der Gelassenheit der Sherpas
Eine kurze Zusammenfassung des Erfolgsrezeptes der sympathischen Extrembergsteigerin könnte wie folgt aussehen: gute Vorbereitung und Training, Teamgeist und gegenseitige Motivation, aus Rückschlägen neue Kraft schöpfen, eiserner Wille gemischt mit der Gelassenheit der Sherpas und ohne Überheblichkeit sowie ein Gefühl für den richtigen Zeitpunkt. Die nachfolgenden Redner der Tagung in der Stadthalle Deggendorf zeigten sich sichtlich beeindruckt und griffen in den eigenen Beiträgen die Bilder vom „Dach der Welt“ auf. Den Tagungsgästen wurden zahlreiche Parallelen zwischen der täglichen Arbeit in Landwirtschaft und Maschinenring und den Erfahrungen einer Extrembergsteigerin deutlich. Angesichts der beeindruckenden Impressionen kann der Arbeitsalltag in einem neuen Licht erscheinen.


