Bundesverband der Maschinenringe e.V.

Familienbetrieb hat Zukunft

„Unser Trumpf ist der enge Zusammenhalt in der Familie und die Bereitschaft, für eine gewisse Zeit auch mal den Gürtel enger zu schnallen.“ So fasst Hofnachfolger Christoph Rohwer die entscheidenden Wettbewerbsvorteile seines Milchviehbetriebes zusammen. Hinzu komme die günstige Kostenstruktur durch intensive überbetriebliche Zusammenarbeit.

 

Für den 20–jährigen Christoph Rohwer aus Rade in Schleswig-Holstein stand es nie in Frage, dass er als Erstgeborener den Milchviehbetrieb mit 120 Kühen einmal übernehmen wird. Für ihn hat die Milchproduktion gerade in einem Familienbetrieb Zukunft. Der gelernte Landwirt richtet seine Ausbildung ganz auf die Betriebsübernahme aus. Nach der dreijährigen Berufsausbildung zum Landwirt leistet er gerade ein Praxisjahr ab, um anschließend zur Landwirtschaftsschule und zur Höheren Landbauschule, der sog. „HöLa“ zu gehen. Als „Staatlich geprüfter Agrarbetriebswirt“ wird er dann den Betrieb von seinem Vater Jochen Rohwer übernehmen.

 

Erfahrung als Betriebshelfer sammeln
Als nebenberuflicher Betriebshelfer lernt Christoph Rohwer zahlreiche Betriebe der Region kennen und sammelt dabei wertvolle Erfahrungen für seinen eigenen Betrieb. Bis zu 15 Betriebe unterstützt der 20-jährige jedes Jahr in Notsituationen. Nach einer Knie-Operation seines Vaters wurde ihm selbst deutlich, wie wichtig die Arbeit der Betriebshelfer ist.

Der Betrieb ist seit 1870 im Familienbesitz. Mit 120 Milchkühen produzieren die Rohwers 900.000 Liter Milch im Jahr. Das Grundfutter wächst auf 60 ha Grünland, 40 ha Mais-Acker und rund 10 ha Dauerweiden. Man habe sich bewusst auf den Futterbau beschränkt, um sich ganz auf die Innenwirtschaft rund um die Kühe, Bullen und die Nachzucht konzentrieren zu können, so Christoph Rohwer. Die Bullenmast beschränkt sich auf den eigenen männlichen Nachwuchs. Der Einstieg in die Bioenergie war für die Rohwers nie eine Alternative zur Milchproduktion. Im vergangenen Jahr hat man begonnen, einen neuen Kuhstall in 300 m Entfernung zur jetzigen Hofstelle zu bauen. Der ganze Betrieb soll dorthin verlagert werden und auf diese Weise vergrößert und modernisiert werden.

Schlepperauslastung von 1000 Stunden
Jochen Rohwer ist Gründungsmitglied des Maschinenring Mittelholstein, der Anfang der 80er Jahre ins Leben gerufen wurde. Die MR-Geschäftsstelle ist seitdem immer wieder einen Besuch wert, beispielsweise zur Jahreshauptversammlung oder zur Vorführung der Spaltenfräse des Maschinenrings. Die Rohwers nutzen ihren Ring überwiegend für Klauenpflege, Mietschlepper, MR-Versicherungen und Solomaschinenvermietung. Der betriebseigene Rinder-Fangstand wird über den MR vermietet und der Schwader war schon häufig auf anderen Mitgliedsbetrieben im Einsatz. Seinen größten Schlepper vermietet Jochen Rohwer mehr als 200 Stunden solo über den MR. Das „Kraftpaket“ mit 160 PS erreicht so eine hervorragende Jahresauslastung von fast 1000 Stunden. Mit zwei Nachbarbetrieben im Dorf hat sich eine enge Zusammenarbeit entwickelt. Bei der Futterbergung unterstützen sich die drei Milchviehbetriebe gegenseitig und sogar die Neuanschaffung von Maschinen wird gegenseitig abgestimmt. Mit dem weiteren Wachstum des Betriebes sollen die Außenarbeiten noch stärker ausgelagert werden. Der Maschinenring und Lohnbetriebe sollen dann noch größere Bedeutung für den Betrieb in dem „80-Seelen-Dorf“ bekommen.
 

Liquidität geht vor Rentabilität
Wenn im Jahr 2015 die Milchquote wegfallen sollte, wolle er 150 Kühe melken, so Christoph Rohwer. Vater und Sohn sind sich einig, dass der Betrieb nach dem Grundsatz „Liquidität geht vor Rentabilität“ wachsen soll. Das heißt in der Praxis: in kleinen Schritten wachsen soviel der Betrieb hergibt und mit überschaubaren Risiken. Der Familienbetrieb soll dann mit Hilfe der Altenteiler und einem Lehrling geführt werden. In der Familienstruktur könne der Betrieb flexibler auf schwankende Milchpreise reagieren, erklärt Christoph Rohwer. Während ein Großbetrieb mit Angestellten in „schlechten Zeiten“ seine Fixkosten unvermindert weiter bestreiten müsse, könne der Familienbetrieb phasenweise den Gürtel enger schnallen. Außerdem könne er auf seine Familie zählen. Wenn „Not am Mann“ ist, würden sogar seine jüngeren Geschwister einspringen, die eine Ausbildung außerhalb der Landwirtschaft machen. Die gute Stimmung und der Zusammenhalt in der Familie sei ein wertvoller „Trumpf“ der Familienbetriebe, so Christoph Rohwer.