Bundesverband der Maschinenringe e.V.

Eine ländliche Region boomt (Teil 2)

Datum: Dienstag, 15. September 2009

 

Bau-Boom, eine „blühende“ Landwirtschaft, erfolgreiche Gewerbebetriebe und eine hohe Geburtenrate – das kennzeichnet das Oldenburger Münsterland als Erfolgsregion in Europa. Die MR-Geschäftsführer Rolf Breitenbach und Franz-Josef Escher erklären aus ihrer Sicht, warum es den Menschen zwischen Cloppenburg und Vechta so gut geht.

 

„Es wird zurzeit viel investiert im Oldenburger Münsterland – der Krise zum Trotz.“ Franz-Josef Escher, Geschäftsführer des MR Artland, zeigt sich sichtlich beeindruckt. „Bauvorhaben vom Stallneubau bis zur Biogasanlage werden in atemberaubender Geschwindigkeit und in bisher nicht gekannten Größenordnungen umgesetzt. In den Kommunalverwaltungen legt man besonderen wert darauf, dass die Menschen in der Region bleiben und hier auch Arbeit finden. Deshalb unterstützen die Kommunen die Ansiedlung von Gewerbebetrieben z.B. durch sehr günstige Grundstückspreise. Wird ein neues Gewerbegebiet ausgewiesen, dann sind in der Regel alle Grundstücke innerhalb weniger Jahre bebaut, beschreibt Franz-Josef Escher das Wirtschaftsklima, das von Zukunftsoptimismus geprägt sei.
 
Betriebshilfe und Nährstoffvermittlung vom Maschinenring
Der Maschinenring Artland arbeitet von seiner Geschäftsstelle in Bersenbrück aus zunehmend auch mit Mitgliedern im Oldenburger Münsterland zusammen. Geschäftsführer Franz-Josef Escher verzeichnet eine steigende Nachfrage nach Betriebs- und Haushaltshilfen und nach Nährstoffvermittlung über die Nährstoff- und Güllebörse des Maschinenrings. Der Personalbedarf auf den hoch spezialisierten Betrieben der Geflügelhaltung und Schweinemast steige stetig und könne von den mitarbeitenden Familienangehörigen nicht mehr aufgefangen werden, so Franz-Josef Escher. Wegen des extrem hohen Viehbesatzes ist die Landwirtschaft im Oldenburger Münsterland auf Nährstoffexporte angewiesen.
Die niedersächsische Region ist traditionell von Veredelungsbetrieben geprägt, die schon früh die Außenwirtschaft als Lohnarbeit ausgelagert hätten, erklärt der MR-Geschäftsführer weiter. Das dichte Netz von Lohnunternehmen sei der Grund, warum die klassische Maschinenvermittlung über Maschinenringe nur eine untergeordnete Rolle spiele. Es gäbe aber eine Vielzahl kleinerer Maschinengemeinschaften zwischen benachbarten Betrieben.
 
Das Vereinsleben blüht
Das Zusammenleben wird in den Landkreisen Cloppenburg und Vechta stark von Vereinen geprägt. „Fast jeder, ob jung oder alt, ob Frau oder Mann, ist in einem oder meist in mehreren Vereinen aktiv“, so MR-Geschäftsführer Rolf Breitenbach. „Die gemeinsamen Freizeitaktivitäten und soziales Engagement z.B. in DJK-Sportvereinen, Schützenvereinen, Heimat- oder Bürgervereinen stärken die Gemeinschaft. Soll in einem Dorf beispielsweise ein Gemeinschaftshaus errichtet werden, so wird erst einmal bei den Dorfbewohnern Geld gesammelt. Man ergreift ganz unbürokratisch selbst die Initiative, man verlässt sich nicht nur auf den Staat, man packt selber an und wartet nicht, bis die Verwaltung aktiv wird“, so Breitenbach weiter.
 
Hofnachfolge kein Problem
Die Höfe im Oldenburger Münsterland haben Zukunft und deshalb ist die Hofnachfolge in der Regel gesichert. Auf durchschnittlich 2 bis 4 schätzt Breitenbach die Zahl der Kinder, die auf den Höfen aufwachsen. Der Wunsch, das geschaffene an die Kinder weiterzugeben, sei groß und das wirke sich auch auf die Kinderzahl aus, so Breitenbach weiter. Die Familiemitglieder stehen füreinander ein und unterstützen sich gegenseitig.
Man blickt mit Optimismus in die Zukunft. Das zeigen schon die Gebäude, Höfe und Dörfer, die fast alle in einem „Top-Zustand“ sind. Aber Warum ist das so? Warum boomen Bautätigkeiten und Hoferweiterungen trotz der Krise. Rolf Breitenbach erklärt sich das so: „Die Menschen riskieren mehr, weil der Glaube in die eigenen Fähigkeiten sehr ausgeprägt ist. Die Leute haben in der Vergangenheit gelernt, aus wenig viel zu machen. Das schafft Selbstvertrauen. Wenn die Hofnachfolge gesichert ist, kann man auch noch mit über 50 Jahren in den Betrieb investieren, so Breitenbach weiter.
Von 880 Mitgliedern des MR Oldenburger Land sind etwa 90 im Oldenburger Münsterland ansässig. Seit einigen Jahren schießen Biogasanlagen wie Pilze aus dem Boden.  Die Pachtpreise sind seit langem auf einem Rekord-Niveau von 900 bis 1.200 €/ha.
 
Fazit: Der Erfolg ländlicher Regionen scheint also nicht in erster Linie von Autobahnanschlüssen oder staatlichen Förderprogrammen abzuhängen. Es sind die Menschen mit regionalem Selbstbewusstsein, Fleiß und Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten. Hinzu kommt eine ausgeprägte soziale und wirtschaftliche Verflechtung sowie ein „wohliges Heimatgefühl“ der Menschen im Oldenburger Münsterland.