Bundesverband der Maschinenringe e.V.

Cultan – „Die Pflanze holt sich so viel sie braucht“ (Teil 2)

Datum: Mittwoch, 31. März 2010

 

Bei der Ammonium-betonten Düngung im Cultan-Verfahren ernähren sich die Kulturpflanzen aktiv selbstständig aus einem N-Depot direkt an der Wurzel. Das Risiko einer Über- oder Unterversorgung ist gering. Getreidepflanzen sind standfester, brauchen weniger Wachstumsregulatoren, sind gesunder und trockenheitsresistenter.

 

„Wir müssen in Sachen Stickstoffernährung unserer Kulturpflanzen umdenken.“ Davon ist Roland Kukoll, Geschäftsführer des Maschinering Gerolzhofen überzeugt. Man müsse sich von der verbreiteten Ansicht verabschieden, dass Nitrat der Sticksoff-Träger Nummer eins sein müsse. Die Bestandsführung von Getreide über die N-Düngung in 3 bis 4 Gaben beinhalte viele Risiken. Gestreuter KAS-Dünger müsse durch Niederschläge gelöst werden, bevor er wirksam werde. „Reichen die Niederschläge im März/April nicht aus, bleibt das Getreide in der Entwicklung zurück“, berichtet Roland Kukoll aus seiner Erfahrung. „Dagegen sind die „Cultan“- gedüngten Bestände in solchen Jahren gut ernährt, weil die N-Wirkung der Ammoniumlösung im Boden weitgehend unabhängig von Niederschlägen ist.“ Durch die geringeren Dünger- und Ausbringungskosten und Einsparungen bei Pflanzenschutzmitteln und Wachstumsregulatoren ist das Cultan-Verfahren auch betriebswirtschaftlich sehr interessant.
 
„Cultan“-Bestände sind winterhärter
„Cultan-gedüngte Kulturen haben ein deutlich verringertes Risiko der Über- und Unterversorgung“, fasst Georg Dierschke, Geschäftsführer der Tochter-GmbH des MR Wetterau die Erfahrungen zusammen, die MR Mitglieder auf rund 1.500 ha gesammelt haben. „Die Bestände sind von der Blattfarbe gut ernährt, aber nicht so mastig wie Nitrat-ernährte Pflanzen. Das Gewebe bleibt fest und widerstandsfähig gegen Umwelteinflüsse.“
Das werde besonders im Hinblick auf die Winterhärte deutlich, ergänzt Roland Kukoll.
Besonders eine „Cultan“-Düngung zur Rapssaat im Herbst mit 80 kg N/ha in Form von DAP habe sich bewährt.
 
Grundwasser -schonendes Verfahren
Die Verteilung der Nährstoffe mit dem Injektor ist äußerst gleichmäßig und ausgesprochen randscharf z.B. an Fließgewässern. Über- oder Unterdüngung von Teilflächen z.B. durch Wind-Einflüsse oder Abschwemmen in Hanglagen kann weitgehend ausgeschlossen werden. Der Nmin-Rest im Herbst liege mit durchschnittlich 40 kg N/ha etwa halb so hoch, wie bei konventionell gedüngten Flächen, zitiert Roland Kukoll Untersuchungen aus seinem Ringgebiet. Das Cultan-Verfahren könne deshalb als besonders Grundwasser- und Gewässer-schonend eingestuft werden.
Die N-Verluste durch Ausgasung oder Auswaschung sind duch die Injektion entsprechend gering. Der Stickstoff wird zu 90 bis 95 % ausgenutzt, während AHL oder KAS nur auf durchschnittlich ca. 75 % kommen. Folglich kann das N-Düngungsniveau um bis zu 20 % reduziert werden.
Die kleinräumig hohe Ammonium-Konzentration verhindere weitgehend die Nitrifikation von Ammonium zu Nitrat. Die Depotwirkung werde noch verstärkt, indem das Wurzelwachstum um das Depot herum sehr intensiv sei. Durch ausgeprägte Verzweigung formt sich ein Wurzelballen, der das Depot zusätzlich stabilisiert und das Aufnahmevermögen für hochgespanntes Bodenwasser verbessert. Ammonium wird als positiv geladenes Kation an Bodenpartikeln sorbiert und ist damit weniger auswaschungsgefährdet als Nitrat.
Roland Kukoll beobachtete, dass „Cultan“-Weizenbestände 8 bis 10 Tage später abreifen als Nitrat-ernährter Weizen. Gerade bei trockener Sommerwitterung, zeichne sich der Cultan-Weizen durch höhere Erträge aus. Durch die physiologisch saure Wirkung von Ammonium werden in Wurzelnähe weitere Nährstoffe und Spurenelemente mobilisiert.