Bundesverband der Maschinenringe e.V.

40 Jahre Betriebshelfer beim Maschinenring

Datum: Freitag, 14. November 2008

Josef Große-Lutermann erzählt Amüsantes und Interessantes aus 40 Jahren als Betriebshelfer beim BHD/MR Coesfeld.

 

Josef Große-Lutermann gehört zu den ersten Betriebshelfern in Westfalen überhaupt. Der nachgeborene Bauernsohn wollte nach seiner Landwirtschaftslehre auf jeden Fall weiter in der Landwirtschaft arbeiten und fand 1968 als Betriebshelfer eine dauerhafte berufliche Perspektive. Der 61-jährige hat die Anfänge der Betriebshilfsdienste in Westfalen miterlebt. Im Kreis Coesfeld gibt es nur noch wenige Betriebe, die der erfahrene Betriebshelfer nicht kennen gelernt hat. Der 61-jährige hat inzwischen auf Altersteilzeit mit 20 Wochenstunden umgestellt und plant seinen Altersruhestand für das Jahr 2010.
 
„Damals schliefen wir noch auf den Betrieben, die Arbeit war härter und auf die Arbeitsstunden wurde nicht so geachtet, wie heute. Wir bekamen ganze 50 DM Fahrtkosten pro Monat – das reichte nur, wenn man auf dem Hof auch schlief. Jedes zweite Wochenende verbrachte ich auf dem Einsatzbetrieb. Musste der Bauer seine Krankheit im Krankenhaus auskurieren, war meine Anwesenheit besonders auf abgelegenen Höfen wichtig. Die Bäuerinnen blieben damals in der Nacht nicht gerne alleine auf dem Hof.“
 
„Einige Betriebe hatten damals noch keine Melkmaschine. Das bedeutete, dass ich nicht selten 10 Kühe zweimal am Tag per Hand melken musste. Die ungewohnte Arbeit hinterließ Muskelkater und andere ungewohnte körperliche Spuren. Nach dem Melken mussten die vollen Milchkannen zum Sammelplatz im Dorf gebracht werden.“
 
„Ein erkrankter Landwirt war nebenbei Friedhofsgärtner und musste natürlich auch in dieser Funktion vertreten werden. Er gab mir aus dem Krankenhaus telefonisch die Größe des Verstorbenen und die Maße für die Grabstelle durch und ich musste mit dem Spaten an seiner Stelle graben. Auch so etwas gehörte damals zu unseren Aufgaben.“
 
„Auf vielen Betrieben konnte ich den Generationswechsel mitverfolgen. Unternehmerisches Denken ist bei den jungen Hofnachfolgern sehr viel ausgeprägter. Auch die Wirtschaftsweise hat sich stark verändert. Besonders durch die arbeitsteilige Sauenhaltung und die strikte Stallhygiene ist die Arbeit in der Schweineproduktion kaum noch mit früher vergleichbar.
Heute haben sich die Mitglieder an einen hohen Service-Standard der Betriebshilfe gewöhnt. Einige „Junge“ formulieren klar ihre Ansprüche an den Betriebshelfer. Ich hoffe, dass die Kultur der gegenseitigen Dankbarkeit dabei nicht auf der Strecke bleibt. Früher ist diese Haltung zur Arbeit der Betriebshelfer noch ausgeprägter gewesen, weil die Hilfe in der Not nicht so selbstverständlich war. Mit ein paar Dankesworten macht die Arbeit einfach mehr Spaß.“
 
„Ich bin gerne Münsterländer, liebe die Menschen hier und pflege gerne traditionelle Bräuche. Ein solcher Brauch ist der Schnadegang, den wir über den Heimatverein wieder ins Leben gerufen haben. In historischen Ritterkostümen führen wir den Umzug zu Pferde an. Zum Abschluss kehren alle nach dem altwestfälischen Brauch auf einem Bauernhof ein und es wird feucht-fröhlich gefeiert. Ursprünglich wurden beim Schnadegang die Gemarkungsgrenzen kontrolliert. Man erzählt, dass jungen Bauern, die heimlich Grenzsteine versetzt hatten, die so genannte Schnad mit ordentlich Prügel eingebläut wurde.“
 
Ein Porträt des erfahrenen Betriebshelfers lesen Sie in der kommenden Ausgabe von "Maschinenring aktuell".