Bundesverband der Maschinenringe e.V.

„Warum die Zukunft so überraschend kommt und was man dagegen tun kann“

Datum: Samstag, 12. Juni 2010

Dr. Mokka Müller und Gerhard Röhrl (Foto: Buchholtz)

Tag der Maschinenringe 2010 in Speyer

 
Wir sehnen uns nach Kontrolle, in der Realität regiert jedoch zunehmend der Zufall. So beschrieb die Zukunftsforscherin Dr. Mokka Müller beim diesjährigen Tag der Maschinenringe einen Trend in unserer Welt. Wir leben in einer Zeit des Wandels der Systeme. Veränderungen vollziehen sich nicht mehr langsam Schritt für Schritt sondern sprunghaft. Die Wissenschaftlerin machte Vorschläge, wie wir uns darauf einstellen können.

Wirtschaftskrisen, Tsunamis und Umweltkatastrophen haben uns nachdrücklich vor Augen geführt, dass die Zukunft unvorhersehbar ist. Mokka Müller zitierte den führenden US-Wirtschaftswissenschaftler Allan Greenspan, der infolge der jüngsten Wirtschaftskrise eingestehen musste, dass selbst 40 Jahre Erfahrung nicht ausreichend waren, um die jüngste Wirtschaftskrise rechtzeitig vorhersagen zu können. Die Versuche, unsere zukünftige Welt aufgrund von Erfahrungswerten vorherzusagen sind immer mehr zum Scheitern verurteilt. Neue Erkenntnisse der Biologie und der Quantenphysik zwingen uns, unser Weltbild grundlegend zu überdenken.

 
Im Netz der Weltgesellschaft
Im Zuge der Globalisierung und der Entwicklung zur Weltgesellschaft habe der Einzelne im Netzwerk so viel Macht wie noch nie, stellte Müller fest. Durch Gruppenbildung über das internet in einem bisher nicht gekannten Tempo können Entwicklungen in unvorhersehbarer Weise beeinflusst werden. Durch die stärker vernetzte Welt entsteht eine Vielzahl neuer und unüberschaubarer Rückkopplungsschleifen. Die einfachen, mechanistischen Modelle der Vergangenheit offenbaren grundlegende Schwächen und verlieren ihre Gültigkeit.
 
Die Zeit der “rationalen Nutzen-Maximierer” mit mechanistischen Denkmustern sei vorbei. In einer Netzwerk-Gesellschaft sei diese Denkweise nicht mehr zeitgemäß und führe nicht selten zum Ausschluss aus der Gesellschaft und zur Abstempelung als “Egoist” - die “Höchststrafe” in einer stark vernetzten Gesellschaft.
 
Im Takt der Musik
Die Leiterin des Instituts für Zukunftsmangement empfahl dem Maschinenring-Publikum, so zu handeln, dass daraus eine Vielzahl weiterer Möglichkeiten des Handelns entstände. Wer sich eine Vielzahl von Handlungsoptionen schaffe, könne besser auf unvorhergesehene Entwicklungen reagieren. Die Institutsleiterin bediente sich eines “tänzerischen” Vergleichs. Es gehe nicht mehr darum, den nächsten Schritt perfekt zu planen, sondern den Takt der Musik aufzunehmen und zu verstehen und überhaupt auf die Tanzfläche zu gehen.
 
Aus Misserfolgen anderer lernen
Wir neigen dazu, uns die Erfolge anderer als Vorbild zu nehmen und daraus zu lernen. Die Zukunftsforscherin gab den Rat, sich stärker mit den Misserfolgen anderer zu beschäftigen, weil man daraus deutlich mehr lernen könne. Sie rief dazu auf, durchaus kleine Misserfolge zu riskieren, um sich mit den gesammelten Erfahrungen vor einem großen Misserfolg mit wirklich dramatischen Folgen besser schützen zu können.
 
 
Fotos: Dr. Mokka Müller, Leiterin des Instituts für Zukunftsmanagement, und BMR-Geschäftsführer Gerhard Röhrl. (Foto: Buchholtz)