Der bekennende Fußball-Fan zählt sich zu jenen 39 % der Deutschen, die sich laut einer Umfrage ein Leben ohne Fußball nicht vorstellen können. Mit der gleichen Hingabe brachte der Leiter eines Eventmanagement-Unternehms den gebannten Zuhörern die Bedeutung von Teamgeist, Begeisterung und individueller Motivation für das Gelingen von Projekten näher. „Wir waren bei der WM nicht nur organisatorisch erfolgreich, sondern auch emotional. Deshalb hieß der Film von Sönke Wortmann nicht Deutschland – eine gut organisierte WM sondern Deutschland – ein Sommermärchen“, hob Fricke hervor. Erst der perfekte „Gleichklang von Organisation und Emotion“ mache aus einem Projekt ein unvergessliches Erlebnis. Thomas Fricke war bereits am Vortag angereist und betonte, dass er sich im Kreis der Maschinenringe sehr wohl fühle.
„Fußball ist wie Schach, nur ohne Würfel“
Fußball sei wohl die populärste Sportart der Welt und bewege sich in einem einzigartigen Spannungsfeld zwischen Begeisterung, Leidenschaft und Kommerz. Der gelernte Wirtschaftsingenieur brachte dazu einige eindrucksvolle Fakten und Zitate. 4,2 Milliarden Klicks verzeichnete die offizielle FIFA-WM-Homepage und 1,5 Milliarden Menschen weltweit verfolgten das WM-Finale. Die WM 2006 habe rund 1,85 Milliarden € vor allem aus der Vermarktung von Senderechten und Sponsoreneinnahmen in die Kassen der FIFA gespült. Fricke zitierte den von ihm zum „Gegenwartsphilosophen“ erhobenen Lukas Podolski mit seinen Worten: „Fußball ist wie Schach, nur ohne Würfel“. Ein Britischer Profi habe auf die Frage, warum er nach so kurzer Zeit nach Ende seine Profi-Karriere pleite sei, geantwortet: „Ich habe viel von meinem Geld für schnelle Autos, Alkohol und schöne Frauen ausgegeben. Den Rest habe ich einfach so verprasst.“ Weitere deutlich gehaltvollere Zitate folgten, die allerdings nicht ganz so unterhaltsam waren.
„Team – Toll, ein anderer machts“
Der mit Abstand wichtigste organisatorische Erfolgsfaktor sei das Team, die Menschen, die mit Kompetenz, Leidenschaftund Herzblut ein Ziel verfolgen. Dabei gebe es vielfältige Parallelen zwischen Fußball und Business. „Neben den fachlichen Grundlagen, die natürlich beherrscht und trainiert werden müssen, kommen noch die oft entscheidenden so genannten „softskills“ hinzu, wie Teamfähigkeit und individuelle Verantwortung im Team. Teamfähigkeit bedeutet vor allem Kooperationsfähigkeit und Kommunikationsfähigkeit. Diese Fertigkeiten nützen aber nichts, wenn sich nicht jeder seiner individuellen Verantwortung im Team stellt und seine Aufgaben mit Herzblut im Sinne des gemeinsamen Ziels erledigt.“
Die Ressource Mensch werde im Business der Zukunft noch viel wichtiger werden, darin seien sich nahezu alle einschlägigen Experten einig. Im einzelnen arbeitete Fricke die folgenden Empfehlungen für Führungskräfte heraus:
- „Menschen müssen durch gezielte Einzelgespräche individuell motiviert werden. Motivation funktioniert nicht durch flammende Rede vor der ganzen Mannschaft. Jeder braucht seine eigene Ansprache, angepasst an Alter, Intellekt und Charakter über gezielte Einzelgespräche, in denen der Motivator aktiv zuhört.
- Ohne Hierarchie geht es nicht. Diese muß aber offen und transparent sein. Entscheidend ist, wie eine Hierarchie gelebt wird.
- Regelmäßiges Projektstatus-Meeting einmal pro Woche mit Anwesenheitspflicht nach festen Regeln mit Agenda und To-Do-Liste.
- Das Team kann durch gemeinsame Freizeitaktivitäten noch enger zusammenschweißt werden. Halten Sie das Event in Bildern oder Filmen fest. Kollegen, die nicht dabei waren, bekommen auf diese Weise Lust, beim nächsten Mal mitzumachen.
- Die Bedeutung von Lob und Anerkennung wird oft von seiten der Geschäftsleitung unterschätzt. Individuelles Lob aus gegebenem Anlass, wenn jemand etwas Besonderes geleistet hat, motiviert nachhaltig.“
„Emotionaler Erfolg lässt sich planen“
Die Formulierung des Mottos „Die Welt zu Gast bei Freunden“ sei der erste Schritt zum emotionalen Erfolg gewesen. Es folgten viele kreative Ideen, um das Motto mit Leben zu füllen. In einer 31-Länder-Tour besuchte der OK-Vorstand alle qualifizierten Länderverbände noch vor der WM – das positive Feedback sei überwältigend gewesen. „Wir entwickelten eine Vielzahl von Ideen, um aktiv positive Grundstimmung zu verbreiten. Das Organisationsteam ist der Brutkasten, der Inkubator für die Stimmung bei der ganzen Veranstaltung. Das bedeutet, dass die Organisatoren das Motto ganz und gar aufsaugen müssen, um es dann authentisch nach außen multiplizieren zu können.“
Die Leitlinien der WM-Organisatoren waren: „Wir wollen herzliche Gastgeber sein und eine heitere Atmosphäre schaffen, mit der ganzen Welt ein Fest feiern, hilfsbereit sein, aber als Organisatoren im Hintergrund bleiben.“
„Der Journalist multipliziert das Projekt nach außen. Die Bedeutung der Presse kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Der Journalist muss sich deshalb wohl fühlen, muss sich ernst genommen fühlen und muss gute Arbeitsbedingungen in den Pressezentren vorfinden. Wenn Sie die Presse auf Ihrer Seite haben, wird über halb volle Gläser berichtet und nicht über halb leere.
Die Fußball-Fans sind die Kunden. Besonders sie sollten sich wohl fühlen. Wir haben die Stadien deshalb ohne Zäune sicher gemacht und uns um eine gute Atmosphäre auf den Public-Viewing-Plätzen gekümmert."
Letztlich sei aber für den emotionalen Erfolg entscheidend gewesen, dass der Funke von der Nationalmannschaft auf dem Rasen auf die Ränge übergesprungen sei. Jürgen Klinsmann und sein Trainerstab hätten es geschafft, ein Team zu formen und gefälligen Angriffsfußball mit Begeisterung und Leidenschaft auf den Rasen zu bringen.
Fazit
„Um ein Projekt zum Erfolg zu führen, ist eine gute Organisation die Basis, die Pflicht.
Um jedoch etwas besonderes daraus zu machen, an das sich Ihre Kunden noch lange erinnern werden, müssen sie positive Emotionen aufsatteln, das heißt kreativ werden. Dafür ist die Ressource Mensch entscheidend und die Technik ist nur zweitrangig. Wenn Sie also Budget-Verantwortung tragen, investieren Sie eher in die Ausbildung Ihrer Mitarbeiter als in die Anschaffung der neuesten technischen Finessen.“
Hier finden Sie den Vortrag von Thomas Fricke als Audiodatei:
Vortrag Thomas Fricke - Livemitschnitt

