Bundesverband der Maschinenringe e.V.

„Wenn ich auf einen neuen Betrieb komme, ist in der Regel Not am Mann und ich muss mich sensibel auf die Menschen und die Betriebsabläufe einstellen“, berichtet Gerd Meyering, Betriebshelfer beim MR Artland. „Doch nach wenigen Tagen der Eingewöhnung kann ich als Vertreter des Betriebsleiters selbst bestimmt und in meinem eigenen Rhythmus arbeiten.“
Betriebshelfer aus Leidenschaft
„Als Betriebshelfer bin ich mein eigener Herr, das ist das schönste, was es gibt“, betont der 22-Jährige. Nach einer abgeschlossenen Maurerlehre und einem Jahr Arbeit „auf dem Bau“ war für den Landwirtssohn klar, dass er in die Landwirtschaft zurückkehren wolle. Das Angebot des Maschinenrings, den Zivildienst als MR-Betriebshelfer abzuleisten, kam da gerade recht. Seit Januar 2006 ist der passionierte Jäger MR-Betriebshelfer in Vollzeit und aus Leidenschaft. Wenn er einen erkrankten Betriebsleiter vertrete, müsse er natürlich auch unangenehme Arbeiten machen. Aber das sei kein Problem, wenn die Grundeinstellung stimme und man Spaß an der Arbeit habe, erklärt der gelernte Landwirt. Das Klischee, der Betriebshelfer müsse die „Drecksarbeiten“ auf den Betrieben machen, könne er nicht bestätigen. Wenn er auf einen Betrieb komme, ist immer „Not am Mann“ und im ersten Schritt müssten die wichtigsten Betriebsabläufe gesichert werden.
„Wenn der elterliche Betrieb keine Zukunft bietet“
Im elterlichen Betrieb der Meyerings müsste erheblich investiert werden, um die Schweinemast zukunftsfähig zu machen. Das Risiko sei bei den derzeitigen Pachtpreisen und dem schwachen Schweinemarkt zu groß, gibt Gerd Meyering zu bedenken. Er sieht seine Zukunft eher als angestellter Betriebshelfer. Das kleine geschlossene System mit Sauenhaltung und Mast der eigenen Ferkel sei einfach nicht mehr zukunftsfähig. Im Herbst wird Gerd Meyering eine berufsbegleitende Fortbildung zum Landwirtschaftsmeister beginnen, um seiner Arbeit, wie er sagt, „den letzten Schliff zu geben“. Besonders bei anspruchsvollen Pflanzenschutz-Arbeiten wolle er noch besser werden. Zwei Tage in der Woche wird er dann wieder auf der Schulbank sitzen. Wie bereits bei früheren Fortbildungen unterstützt ihn der Maschinenring durch Freistellung, Lohnfortzahlung und Beteiligung an den Lehrgangsgebühren. Insgesamt sei das Arbeitsklima beim Maschinenring Artland geprägt von Vertrauen, Eigenverantwortung und Flexibilität, so Gerd Meyering. Die meisten Absprachen könne er direkt mit seinen Kollegen treffen, ohne dass sich MR-Geschäftsführer Franz-Josef Escher einmische.
Menschen begeistern
Eine positive Ausstrahlung und Menschen begeistern, wo immer man gerade ist – diese Grundhaltung prägt das Leben und die Arbeit von Gerd Meyering. Ein Mann, den man auf jeden Betrieb schicken könne und der überall klar komme, so charakterisiert MR-Mitarbeiter Tobias Sudendey seine zuverlässige Vollzeitkraft. Die Arbeit als Betriebshelfer fordere besonders in den ersten Tagen des Einsatzes die sozialen Kompetenzen der jungen Landwirte, so der Koordinator der Betriebshilfe weiter. Oft sind die Angehörigen des erkrankten Betriebsleiters in der Notsituation angespannt und „dünnhäutig“.
Gerd Meyering versucht mit einem hohen Maß an Einfühlsamkeit zu Werke zu gehen. Er versteht sich als Dienstleister und führt die Anweisungen so gut er kann aus. Er sei sich bewusst, dass man jeden Arbeitsgang auf viele verschiedene Weisen ausführen könne. Mit Verbesserungsvorschlägen gehe er aber äußerst sensibel um, um niemanden „vor den Kopf zu stoßen“. Erst wenn eine geeignete persönliche Ebene gefunden sei, bringe er seine Vorschläge mit passendem „Ton“ in der passenden Situation an. Direkte offene Kritik werde oft als „Besserwisserei“ abgetan und könne nichts bewirken.
Einige Landwirte fordern ihn jedoch auf, er solle die Arbeit so machen, wie er selbst es gewohnt sei. Das sei abhängig von der Persönlichkeit. Ebenso können ihn einige Betriebsleiter gut einfach machen lassen, während andere sogar aus dem Urlaub täglich anrufen und informiert werden wollen. Aber gerade diese unterschiedlichen Persönlichkeiten machen die Arbeit so interessant, betont Gerd Meyering. Die verschiedenen Meinungen sind gut und wichtig und Voraussetzung für den wertvollen Erfahrungsschatz, den er im Laufe seiner Karriere als Betriebshelfer über die Jahre ansammeln könne.
Flexibilität durch Stundenkonto
Das flexible Arbeitsstundenkonto, das alle MR-Betriebshelfer selbständig führen, schaffe viel Raum für seine Hobbies, so Gerd Meyering. „Ich bin jederzeit bereit, Überstunden zu machen, wenn Not am Mann ist. Aber wenn im Mai die Rehbockjagd losgeht, gibt es für mich nichts anderes, als auf dem Hochsitz zur Ruhe zu kommen und in der schönsten Jahreszeit Abstand zum Arbeitsalltag zu gewinnen.“ Neben seinem Motorrad und seiner Doppelkopf-Runde ist die Jagd die liebste Freizeitbeschäftigung von Gerd Meyering.